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"Freiheit und Schönheit", 27.Januar 2005

Fotokalender 2005-2006, "Me rom - Sono rom"

Fotos von Stephanie Gengotti
Copyright Theater und Kunst Diletta Benincasa und Fotografin

Die Roma-Jugendlichen Ermina, Daniela, Diana, Romina, Eliana, Osman, Anjur, Boris, Mirko, Kemo, Shopa, Valentina, Emina, Gino, Tony, Lisa, Sherif und Massimo haben alles gemeinsam entschieden: die Photokomposition, die Wahl der Kostüme, die Gestaltung.
Sie haben sich mit der Videokamera auf ihre Vorstellung vorbereitet.
Durch die Kunst ist die Entwicklung der jungen Roma geschützt, das schwierige Leben, das sie in Italien führen respektiert und ihr Selbstbewusstsein in ihrer eigenen Welt erhöht worden.


Tony
Ich heiße Tony und bin 14 Jahre alt. Ich gehe zur Schule, bin in der achten Klasse und spiele gern Fußball und Basketball. Ich stehe zwischen sechs und sieben Uhr morgens auf um in die Schule zu gehen, wenn ich zurückgekehrt bin fahre ich ein bisschen Moped, gehe Fußball spielen oder ins Fitness-Studio.
Ich hoffe ein anderes Leben als meine Brüder führen zu können.
Ich würde gern als Model oder als Mechaniker arbeiten. Die Ferien würde ich gern in Sarajevo verbringen, wo ich schon dreimal mit meinem Bruder und meinen Eltern war und ein weiteres Mal allein.
Es ist schön dort: das Meer, die Landschaft und alles. Es ist nicht alles zerstört worden, man ist dabei es wieder aufzubauen. Ich gehe ins Alpheus tanzen.
Beim letzten Mal hat man uns nicht reingelassen, weil wir Roma sind.
Wir mussten uns in normale Jungen verwandeln, um reinzukommen.

Valentina
Ich bin 13 Jahre alt und wohne in Vicolo Savini. Ich bin in Rom geboren und habe sieben Brüder. Meine Brüder und ich gehen zur Schule.
Ich bin in der siebenten Klasse. Die Schule gefällt mir ein bisschen aber nicht sehr.
Mein Traum ist in der Schule Tanz zu unterrichten. Meine Eltern fahren oft nach Bosnien. Ich habe eine Großmutter die 93 Jahre alt ist. Ich stehe zwischen sechs und sieben auf, frühstücke in der Bar und gehe dann in die Schule.
Nach der Schule arbeite ich mit meinen Brüdern. Ich kümmere mich um die Küche und um alles. Ich kann Steak machen und Makkaroni mit Sahnesoße.
Ich mag Früchte. Stefanie hat mich gefragt, ob ich die Fotographien machen könnte. Ich war sehr froh. Ich habe mir weißes Kleid zurecht gelegt, einen Minirock,
ein schwarzes T-Shirt. Ich dachte, dass ich ein Fotomodell sein will,
dass ich gut sein will.

Emina
Ich heiße Emina und bin 15 Jahre alt. Ich gehe an die Hauptschule und bin in der neunten Klasse. Ich freue mich, dass wir den Kalender machen,
dass wir vorankommen, dass wir unser Leben verändern, dass auch wir Roma etwas im Leben machen können.
Ich lebe hier im Lager in Vicolo Savini. Die Fotos sind gelungen, ich war aufgeregt, im Fernsehen sah ich Fotomodels, die mir sehr gefallen haben.
Ich würde gern Model sein oder Friseuse. Ich habe keine Geschwister, gar keine.
Ich lebe nicht bei meinen Eltern, sondern bei meinen Großeltern. Sie sind sehr jung.
Sie weint.

 

Fotokalender

anjur boris daniela
Anjur
Boris
Daniela
ermina eliana emina
Ermina
Eliana
Emina
mirko kemo lisa
Mirko
Kemo
Lisa
shopa tony romina
Shopa
Tony
Romina
massimo diana
Massimo
Diana
valentina osman
Valentina Osman

Stephanie Gengotti
Stephanie Gengotti



Buch II Popolo invisibile

Najo Adzovic
Copyright Theater und Kunst Diletta Benincasa und Palombi Editori
Najo Adzovic (Titograd 1969)

Najo lebt mit seiner Frau und seinen fünf Söhnen in Rom, in Campo Casilino 900.
Er denkt an die Jungen, wenn er schreibt. "Heute", erklärt er, "kämpfen unsere Kinder darum, sich in die Gesellschaft zu integrieren.
Sie besuchen die italienischen Schulen um eine würdigere Zukunft zu haben.
Alles beginnt im Jahr 1990 als Adzovic, Unteroffizier in der serbischen Armee,
am Anfang des jugoslawischen Bürgerkrieges den Auftrag erhält fünfzehn junge bosnische Muslime zu erschießen. Es waren Kommilitonen von ihm.
Er lehnte die Ausführung dieses Auftrages ab, ließ sie fliehen und verurteilte sich selbst damit zur Flucht.
Er kommt 1990 nach Italien und wird zu einem "Unsichtbaren", weil er "Deserteur und Verräter" ist.

Najo Adzovic
Daniela Brancati und Najo Adzovic

Cristina Palombi
Cristina Palombi

Maria Pia Garavaglia
Maria Pia Garavaglia

Patrizia Bisci
Patrizia Bisci

 



Betty Bee, Neapel "Universelle Ampel (2005)"


Installation mit Malerei und Performance, Dezember 2005
Galerieraum von Theater und Kunst Diletta Benincasa

Die Freunde und Retter von Betty Bee sind drei Kinder: iuppeppì, die ihr, während sie vom Vater an den Stuhl gefesselt ist, durch das Fenster ein Geschenk reichen. Knetmasse, mit der sie spielen kann, mit der sie Geschichten erfinden kann,
die sie retten. So, wie es alle Kinder um uns herum tun, die Überlebensstrategien erfinden und sich erzählen, um sich zu retten.
Wunderschöne Kinder, die, je schöner sie sind, umso unvermittelter aus dem Nichts auftauchen. Betty folgt ihnen, sie verlässt sie nie. Sie hat auf der Straße gelebt,
auch sie ein Kind, beschützt von den "Femmarielli", den Travestiten Neapels,
die durch ihre "Kultur" gezwungen sind, sich innerhalb ihres Körpers zu verwandeln. Betty Bee lernt von Kindheit an, sich in eine verführerische Person zu verwandeln.

Sie selbst und das Leben, das ihr zufällt, verwandeln sie in ein "Kunstwerk".
Gewalttätige sexuelle und ökonomische Rituale lassen Neapel verarmen, führen dazu, dass es zugrunde geht, dass es in sich zusammenfällt. Die Perversionen und die wunderbaren Kinder von Neapel – nach Curzio Malaparte Fabrizia Ramondino,
Peppe Lanzetta – sind auch Teil des künstlerischen Projektes und der Arbeit von Betty Bee, insbesondere der Installation mit Malerei und der Performance hier in Berlin.
Die Erzählung von Betty Bee ist eine universelle wenngleich sie fest verankert ist in einem Ort - Neapel – und in einer Zeit – dem Heute.

Betty Bee

Betty Bee (Fotoinstallation, Neapel)

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